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Um die halbe Welt - ANIMA III in Neuseeland
Er ist schon riesig, der Pazifik! Man glaubt zuerst, dass vor allem 3000 Meilen von Galapagos auf die Marquesas den größten Teil ausmachen. Aber dann sind es nochmal 4600 Meilen bis Neuseeland und dann ist man immer noch nicht durch!

Aber die langen Tage auf See zahlen sich dennoch aus! Traumhafte Inselgruppen, jede mit ihrem eigenen Charakter, liegen hübsch aufgefädelt im Passatwindgürtel und lassen tagelanges Schaukeln, ständiges Segelwechseln und unbequemes Segeln im leider oft nicht so beständigen Passat schnell vergessen. Marquesas, Tuamotus, Gesellschaftsinseln (Tahiti, Moorea, Bora Bora, etc.), die Cook Inseln, Tonga, Fidschi - diese Inseln im Südpazifik sind wohl das ultimative Ziel jedes Langfahrtseglers.
Nach einem halben Jahr Atolle, Palmen, Strände, Lagunen, türkises Wasser ist man doch tatsächlich ein bisschen verwöhnt. Doch diese Idylle wird zwischen November und April wegen der drohenden Gefahr tropischer Wirbelstürme von den meisten Seglern gemieden, und es beginnt der große Exodus nach Neuseeland von Tonga oder Fidschi aus. Diese Strecke lag mir, wie vielen anderen, lange im Magen, bewegt man sein Schiff doch erstmals seit Monaten wieder aus Passatregionen in gemäßigte Breiten mit recht wechselhaften, mitunter starken (meist Gegen-)Winden.
Nach einer Woche mit speziellen Vorbereitungen - Anschlagen der Sturmfock, Bereitmachen des Treibankers, Installation zusätzlicher Bilgepumpen, Motorservice und Auffüllen aller Dieselreserven, Kontakt zum Wetterroutingservice, etc. - ging es dann mit einer recht brauchbaren Vorhersage los auf die 1100 Seemeilen nach Opua in Neuseeland. Anfangs flottes Passatsegeln hart am Wind, dann 4 Tage durchmotoren be Flaute und leichten Gegenwinden und dann zwei Tage ein furioses Finale mit frischem Nordwestwind in Rauschefahrt mit Ankunft gerade rechtzeitig vor der nächsten Front mit äußerst ungünstigen Südwestwinden. Gegen letztere mussten die Woche vorher und nachher viele Yachten ankämpfen, wie wir an der Funke mithören konnten. Fazit: Guat is g'angen - nix is g'schehn! Wir haben anscheinend einfach Glück gehabt.
Beim Festmachen an der Zollmole verspürte ich jedenfalls große Erleichterung und genoss angenehmes "Geschafft!-Gefühl". Nach ein paar Tagen ging es weiter zum geplanten Stammhafen Tauranga, von wo aus ich nun diese Zeilen schreibe und insgesamt vier Monate verbringe, um einerseits das Schiff auf Vordermann zu bringen und andererseits Neuseeland auf dem Landweg zu erkunden.
Immerhin, um die halbe Welt haben wirs schon geschafft! Mit einem Holzschiff mit Gaffelrigg, und das gar nicht schlechter und auch nicht wirklich langsamer als so manche moderne Yacht. Die Zeit vergeht hier jedenfalls wie im Flug, und Anfang April werden wieder Wetterkarten studiert um den idealen Zeitpunkt für den Sprung zurück in tropische Gefilde zu erwischen. Dann geht es weiter - immer noch fast 3000 Meilen bis zum Indischen Ozean - er ist wirklich riesig, der Pazifik!



